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Zwischen Anden und Labor: Forschungsaufenthalt in Chile

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Andreas Bähr forschte im Rahmen der Future Mobility Grants in Chile an effizienteren Antriebssystemen für die Elektromobilität. Neben fachlichen Fortschritten gewann er auch Einblicke in Mobilität, Hochschulkultur und Alltag vor Ort.

Name/Institut: Andreas Bähr, Institut für Elektrische Energiewandlung (IEW) der Universität Stuttgart
Forschungsthema (in Chile): Drive Cycle Switching Loss Reduction of an Inductive Excitation System for Electrically Excited Synchronous Machines
Gastinstitut: Power and Energy Conversion Laboratory, Pontificia Universidad Católica de Chile

Wer bist du und woran forschst du aktuell?

 

Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Elektrische Energiewandlung der Universität Stuttgart. Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung kontaktloser induktiver Energieübertragungssysteme für elektrisch erregte Synchronmaschinen (EESM). Die EESM stellt eine vielversprechende Alternative zur klassischen permanentmagnetisch erregten Synchronmaschine im Bereich der Elektromobilität dar, da sie ohne Permanentmagnete aus Seltenen Erden auskommt. Ziel meiner Arbeit ist es, die verschleißbehafteten Schleifringe der EESM durch kontaktlose, induktive Übertrager zu ersetzen.

 

Wohin hat dich dein Forschungsaufenthalt geführt und warum hast du dich für Chile entschieden?

 

Mein Forschungsaufenthalt führte mich von Oktober bis Dezember 2025 an das Power & Energy Conversion Laboratory der Pontificia Universidad Católica de Chile. Ich habe mich für Chile entschieden, da dort eine ausgeprägte Expertise im Bereich der Leistungselektronik vorhanden ist und bereits gute Kontakte zu Professor Felix Rojas bestanden. Neben dem fachlichen Austausch lag mein Fokus zudem darauf, interkulturelle Einblicke in eine fremde Arbeitswelt zu gewinnen und mich durch die Vielseitigkeit des Landes persönlich weiterzuentwickeln.

Woran hast du während deines Aufenthalts konkret gearbeitet? Welche neuen Impulse konntest du für deine Forschung gewinnen?

 

Der induktive Übertrager für elektrisch erregte Synchronmaschinen wird im Fahrzyklus hauptsächlich im absoluten Teillastbereich betrieben. Daher dominieren die Schaltverluste des Inverters in Bezug auf die gesamte Verlustenergie des kontaktlosen Energieübertragungssystems. Während meines Aufenthalts habe ich Möglichkeiten zur Verlustreduzierung im Inverter untersucht.

Als Basis für meine Untersuchungen diente der induktive Übertrager, welcher im Rahmen des ICM-Projektes GIKEES entwickelt wurde. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit lag auf der rechenzeiteffizienten Modellierung von Schaltverlusten. Darüber hinaus habe ich eine Multi Inverter Topologie zur Effizienzsteigerung untersucht.

 

Wie geht die Zusammenarbeit mit deinen Partnern in Chile weiter?

 

Die Ergebnisse meines Forschungsaufenthaltes werden auf der IEEE Wireless Power Technology Conference and Expo (WPTCE) im Sommer 2026 veröffentlicht. Die Kooperation mit Chile soll in Zukunft außerdem weiter ausgebaut werden. So wurde bereits ein gemeinsamer Forschungsantrag eingereicht.

 

Wie erlebst du die Mobilität in Chile im Vergleich zu Deutschland?

 

In Santiago de Chile habe ich ein sehr gut ausgebautes ÖPNV Netz erlebt, das im Vergleich zu Deutschland deutlich zuverlässiger funktioniert. Besonders auffällig sind die zahlreichen Elektrobusse, die dort bereits zum Stadtbild gehören. Gleichzeitig ist der Individualverkehr in Chile sehr präsent. Dabei dominieren vor allem Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und viele Modelle asiatischer Hersteller.

Gab es etwas, das dich besonders überrascht oder beeindruckt hat?

 

Es war überraschend zu sehen, wie stark sich das private Hochschulsystem in Chile von unserem unterscheidet. Diese Erfahrung hat mir den hohen Wert des freien Bildungszugangs und der gesicherten Arbeitsverhältnisse für Promovierende in Deutschland verdeutlicht. Zudem habe ich die Vorteile des Wirtschaftsstandorts Deutschland mit seinen zahlreichen Kooperationen und Projekten mit der Industrie schätzen gelernt.

 

Wie war die Arbeit und das Leben an deiner Gastuniversität?

 

Der Aufenthalt an der Gastuniversität war sehr angenehm und von einer offenen Atmosphäre geprägt. Ich wurde am Institut sehr herzlich willkommen geheißen und war durch die gemeinsamen, geselligen Mittagspausen schnell in den Institutsalltag integriert. Neben dem fachlichen Austausch stärkten Freizeitaktivitäten wie Barbesuche oder ein gemeinsamer Ausflug in die Anden den Zusammenhalt. Besondere Highlights waren das PEClab Asado, ein traditionelles Grillevent bei Professor Rojas, sowie die gemeinsame Zubereitung von Completos.

 

Was nimmst du aus deinem Aufenthalt mit? Würdest du den Auslandsaufenthalt über die „Future Mobility Grants“ weiterempfehlen und warum?

 

Besonders nachhaltig war die Erfahrung, eine andere akademische und kulturelle Arbeitsumgebung kennenzulernen. Gleichzeitig zeigte sich, dass das Leben außerhalb der Universität mit nur geringen Spanischkenntnissen gelegentlich herausfordernd sein kann.

Trotz kleinerer, vor allem sprachlicher Hürden kann ich einen solchen Forschungsaufenthalt allen zukünftigen Geförderten nachdrücklich empfehlen! Die fachlichen, persönlichen und interkulturellen Erfahrungen sind einzigartig und sehr wertvoll für die eigene Entwicklung.

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