Frau Professor Parspour, Sie gehören zu den Pionier*innen auf dem Gebiet des induktiven Ladens. Was steckt hinter dieser Technologie?
Induktives Laden bedeutet, dass man ohne Kabel und Stecker, also ohne irgendeine physikalische Verbindung, und mit Hilfe von magnetischen Wechselfeldern elektrische Energie von einem Sender zu einem Empfänger übertragen kann.
Und wie funktioniert das?
Wir wickeln Kabel zu einer Spule. Wenn elektrischer Wechselstrom durch eine solche Spule fließt, entsteht um die Spule herum ein Magnetfeld, das seine Polarisierung immer wieder verändert. Über diesem elektrischen Feld im Sender ordnen wir eine weitere Spule im Empfänger an. Teile des ersten Magnetfelds durchdringen dann das Magnetfeld der zweiten Spule. So entsteht die elektrische Spannung, die wir für die Energieübertragung brauchen. Wenn Sie da eine Glühbirne dranhalten, leuchtet sie. Das hört sich einfach an, erfordert aber bei größeren Luftspalten zusätzliche Elektronik sowie Steuer- und Regelalgorithmen, die das System deutlich komplexer machen.
Welche Vorteile bringt diese Technologie?
Sie ist für die Nutzer*innen vor allem komfortabel. Niemand will mehr den Kabelsalat, den wir alle gut kennen, und induktives Laden kann die Kabelmenge deutlich reduzieren. Ein großer Vorteil ist auch, dass es Geräte zuverlässiger, effizienter und sicherer macht. Denn Kabel sind eine ständige Fehlerquelle - vor allem bei Geräten, die sich bewegen. Bei Industrierobotern zum Beispiel verursachen gebrochene Kabel und defekte Steckverbindungen viele Serviceeinsätze. Außerdem können wir ohne Kabel, die im Weg sind, komplett andere Geräte bauen.