"Dass beim Bau von Gasturbinen 3D-Drucker zum Einsatz kommen, ist heute nicht mehr außergewöhnlich“, betont Dr. Fabian Hampp, Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Verbrennungstechnik der Luft- und Raumfahrt (IVLR) der Universität Stuttgart. „Für eine der wichtigsten Komponenten galt das jedoch bislang meist nicht - die Injektionssysteme, die den Kraftstoff in die Brennkammer spritzen."
Gemeinsam mit Prof. Dr. Hans-Christian Möhring, Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinen (IFW) der Universität Stuttgart, und Dr. Oliver Lammel, Wissenschaftler am Institut für Verbrennungstechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), will Hampp diese Forschungs- und Entwicklungslücke schließen und einen Injektor für kompakte Gasturbinen im 3D-Druckverfahren herstellen. Die neue Technologie soll nicht nur Kosten sparen, sondern auch noch ein zweites Problem lösen: Das Einspritzsystem soll die Verbrennung unterschiedlichster Energieträger ermöglichen - von Wasserstoff über eFuels bis hin zu herkömmlichen Brennstoffen. Und das so gut, dass dabei kaum Schadstoffe entstehen. Im Transferprojekt AMFlexInj (Additiv gefertigte Mikro-Injektionskonzepte als Enabler für brennstoffflexible und emissionsarme Verbrennungssysteme) will das Team das neue Verfahren für die breite Anwendung erproben.
Technologie aus Flugzeugturbinen ermöglicht ruß- und stickoxidarme Verbrennung
Bei der Verbrennung kohlenstoffhaltiger Gase oder Flüssigkeiten - dazu zählen neben Benzin und Kerosin auch Erdgas, Methanol oder andere eFuels - können unter anderem Ruß und Stickoxide frei werden. Beide Substanzklassen gilt es zu minimieren, da sie umwelt- und gesundheitsschädlich sind. "Sie bilden sich vor allem dann, wenn der Brennstoff und die Luft nicht gut genug gemischt sind", erklärt Hampp. "Daher sind Einspritzsysteme so konzipiert, dass sie einen möglichst feinen Brennstoffnebel und ein homogenes Gemisch erzeugen."
Das ist auch der Grund dafür, dass die Injektoren zumindest bei kleineren Turbinen bislang nicht im 3D-Druckverfahren hergestellt werden konnten. Beim herkömmlichen Powder Bed Fusion of Metals-Verfahren wird eine dünne Schicht Metallpulver auf einer Bauplattform verteilt und anschließend lokal durch einen Laser aufgeschmolzen. Nach dem Erstarren wird die Bauplattform abgesenkt, eine neue Pulverschicht aufgetragen und der Vorgang schichtweise wiederholt, bis das Bauteil vollständig aufgebaut ist. Schicht für Schicht entstehen so komplexe Strukturen - Wände, Hohlräume, Verbindungsgänge. "Das Problem dabei: Die Oberflächen dieser gedruckten Strukturen sind nie ganz glatt", sagt Hans-Christian Möhring. "Das sorgt für Probleme, wenn man eine definierte Kraftstoffmenge über kleinste Öffnungen als feinen Nebel in eine Brennkammer spritzen möchte."
Den Arbeitsgruppen ist es jedoch gelungen, ein Einspritzsystem zu konzipieren, dass trotz der Rauhheit der 3D-gedruckten Komponenten funktioniert. Die hierzu entwickelten Möglichkeiten der additiven Fertigung erlaubten es dabei erstmals, ein aus Flugzeugturbinen bekanntes Funktionsprinzip stark zu miniaturisieren und in ein innovatives Injektorkonzept zu überführen. "Wir konnten damit im Labor sehr saubere Verbrennungsvorgänge durchführen“, erklärt Möhring. Damit könnte es künftig möglich sein, die Herstellungskosten von Gasturbinen deutlich zu senken. Denn die Brennkammern werden oft ohnehin bereits im 3D-Druck produziert.